SERENDIPITÄT. Kunst zwischen Programm und Zufall

 

20.3. 2015 – 30.6.2015, Eröffnung 20.3.2015, 19 Uhr

Teilnehmende KünstlerInnen:

MARC ADRIAN, OTTO BECKMANN, TINA FRANK, HERBERT W. FRANKE, KURT INGERL, MANUEL KNAPP, PETER KOGLER, LIA, VERA MOLNAR, GERWALD ROCKENSCHAUB, STATION ROSE, ZDENEK SYKORA

 

Kuratorin: Angela Stief

 

 

 

SERENDIPITÄT. Kunst zwischen Programm und Zufall

Das Prinzip Serendipität bezeichnet eine zufällige Beobachtung, eine Idee oder einen Fund von etwas nicht intentional Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Pablo Picassos Worte „Ich suche nicht, ich finde“ gelten als künstlerische Erfolgsformel einer analogen Kunstpraxis schlechthin. Die Ausstellung in der Temporären Halle für Kunst untersucht die Beginne eines künstlerischen Umgangs mit dem Computer und lehnt sich lose an die legendäre Schau Cybernetic Serendipity an, die 1968 in London stattgefunden hat und die wie auch die Ausstellungsreihe Nove Tendencije in Zagreb (1961-1973) eine neue experimentelle Ästhetik markierte. SERENDIPITÄT. Kunst zwischen Programm und Zufall präsentiert zum ersten Mal eine Zusammenschau der Beginne der österreichischen Computerkunst und stellt sie ausgewählten zeitgenössischen Positionen gegenüber. Eine Gemeinsamkeit der an SERENDIPITÄT teilnehmenden Künstler und Künstlerinnen ist die Arbeit mit technischen Gerätschaften, die zu neuen visuellen Konfigurationen führen, eine besondere Wirkkraft auf den Betrachter und ein innovatives Potenzial entfalten. Das Ziel der Ausstellung ist eine unmittelbare visuelle Wahrnehmung durch eine experimentelle, rationale Ästhetik und einen systemischen Ansatz, der auf Regeln und Algorithmen basiert und durch den Zufall konterkariert wird, zu provozieren und zu affirmieren. „Marc Adrians epochales Verdienst war es damals mit jeder Determination der Bildbetrachtung gebrochen zu haben“ – nach seinen eigenen Worten: „ein Element vorausgeplanter Unbestimmtheit in die Betrachtung der Malerei zu bringen, ohne die Absicht einer bestimmten, überlegten Komposition aufgeben zu müssen.“ (John Hardley) Der Künstler Zdenek Sykora meinte: „Der Zufall ist komplizierter als jedes andere philosophische, semantische und mathematische Konzept. Er vermittelt keine Gewissheit. Aber selbst in seiner schwierigsten Form, bietet er eine unendliche Quelle an Freiheit.“ Die zufällige Struktur ist es dann auch, die ein Momentum des Unvorhersehbaren kreiert und die Balance von Ordnung und Unordnung immer wieder neu verhandelt. Die ungarische Künstlerin Vera Molnar sprach vom hypothetischen Charakter ihres Werkes und dem Imaginären der Maschine. Der Zufall könnte in diesem Zusammenhang auch als das Unbewusste der Maschine bezeichnet werden – ex machina –, und soll doch stets eine Serendipität wider jedem Technikeuphorismus unterstreichen: Der Computer als ein Werkzeug wie jedes andere.

 

Die Schau mit österreichischer Schwerpunktsetzung versammelt zum ersten Mal ausgewählte Pioniere der Computerkunst wie Marc Adrian, Otto Beckmann, Herbert W. Franke, Vera Molnar und Zdenek Sykora und stellt sie herausragenden Positionen wie Gerwald Rockenschaub und Peter Kogler, die in den 1980er Jahre die Beginne ihrer medienübergreifenden und raumorientierten künstlerischen Arbeit feierten, gegenüber. Jüngere Positionen wie Tina Frank, Manuel Knapp und LIA ergänzen den Generationen übergreifenden Ansatz der Ausstellung und zeigen, dass die Vermischung von analog und digital, die Arbeit mit Projektionen, Sound und Software längst zu einem künstlerischen Selbstverständnis geworden ist, das unsere Gegenwart prägt.